Ein Stückchen von dem Stein der Weisen

Englische Lebensversicherung: Mehr Gewinn, mehr Risiko

Diese Art der Lebensversicherung, auch Britische Lebensversicherung genannt, bietet dem Versicherten mehr Beteiligung am Gewinn, allerdings auch größere Risiken als übliche Lebensversicherungs-Policen hierzulande.

Die Britische Lebensversicherung hat ihren Namen aus der Zeit bevor die europäischen Finanzmärkte gesetzlich angeglichen wurden. Heute herrschen überall größtenteils gleiche Rahmenbedingungen, und auch kontinentaleuropäische Versicherer können die gleichen Policen anbieten wie die englische Konkurrenz. Doch der Markt für Lebensversicherungen ist von Traditionen geprägt und immer noch wird dieses Finanzprodukt häufig aus Großbritannien "importiert".

Es handelt sich bei diesem Finanzprodukt um eine kapitalbildende Lebensversicherungs-Police mit Überschussbeteiligung. Bis zu 35 Prozent des Anlagevermögens dürfen in volatile (zu Schwankungen neigende) Papiere wie Aktien investiert werden. Das allein führt schon dazu, dass englische Lebensversicherungen in Boomzeiten höhere, sonst aber niedrigere Erträge erwirtschaften als "herkömmliche" Fondsgebundene Policen. Dazu kommt, dass Lebensversicherer aus Großbritannien allgemein weniger hohe Ablaufleistungen garantieren. Auch der Rückkaufwert ist im Vergleich mit kontinentaleuropäischen Papieren nur wenig abgesichert. So müssen allerdings auch weniger Rückstellungen getätigt werden, und falls sich ein Gewinn einstellen sollte, wird auch ein dementsprechend höherer Anteil davon ausgeschüttet. Im letzten Jahrzehnt wurden auch komplexe Versicherungs-Formen geschaffen, welche gewisse Garantien mit den Funktionsweisen von fondsgebundenen und britischen Lebensversicherungen kombinieren.

Immer wieder sorgen solche Finanzprodukte für Aufsehen, weil sie mit Renditeversprechen in einer Größenordnung aufwarten, die man bei Lebensversicherungen gar nicht kennt. Bei kurzfristigeren Anlagen sind solche Gewinne möglich; allerdings gibt es bisher keine Belege, dass bei längeren Laufzeiten ebenfalls höhere Gewinne mit riskanteren Papieren erzielt werden. Dazu kommt ein erhöhtes Risiko für Anleger außerhalb Großbritanniens: Dort wird der Anlegerschutz nämlich unter anderem durch einen Insolvenzschutzfond garantiert, welcher Anleger im Falle einer Pleite ihres Lebensversicherers entschädigt – allerdings nur, wenn die Anleger ihren Wohnsitz auf den britischen Inseln haben.

29.06.2010